Wider die Flugangst

Beim 3. Fundraising-Festival der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers dreht sich diesmal alles ums Fliegen. In dem Workshop, den ich übernehme, geht es mir um die Bedeutung einer strategisch durchdachten Kommunikation und überzeugender Argumente für die Gewinnung gerade auch großer Spender. Also: erst mal Luft holen, Konzept entwickeln, Botschaften durchdenken. Wer weiß, wohin er will und warum, vergisst die Flugangst.

Besonders freue ich mich darauf, zum Abschluss des Festivals seinen Höhepunkt – die Verleihung des 7. Fundraisingpreises – zu moderieren.

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Neues europäisches Datenschutzrecht: Update oder Upgrade?

Den 25. Mai 2018 darf man sich mit Blick auf den Schutz personenbezogener Daten ruhig rot im Kalender eintragen: Ab dann gilt die europäische Datenschutzgrundverordnung unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten und vereinheitlicht so das Datenschutzrecht in der Europäischen Union. Was folgt daraus für Verbraucher sowie für Behörden und Unternehmen, die Daten verarbeiten? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am 16. April in Mainz, die ich mich freue zu moderieren.

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Wo Populisten Zuspruch finden

Was sind das für Menschen, die Sympathie für (rechts-)populistische Positionen zeigen? Dieser Frage widmet sich eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die ich redaktionell betreuen durfte. Zahlreiche, vorwiegend politikwissenschaftliche Untersuchungen haben sich der Thematik bereits angenommen und zum Beispiel herausgefunden, dass sozioökonomische Faktoren wie ein niedriges Haushaltseinkommen und Bildungsniveau hierbei eine Rolle spielen. Auch ist die Neigung zu (rechts-)populistischen Positionen in Ostdeutschland und in ländlichen Regionen verbreiteter. Allerdings reichen diese Erkenntnisse nicht aus, um das Phänomen des gegenwärtig aufstrebenden Populismus zu erklären und sie sind auch nicht immer passgenau. Der aktuelle Regionalsurvey der Bertelsmann Stiftung, eine repräsentative Befragung, die der Studie “Vom Unbehagen an der Vielfalt” zugrunde liegt, geht deswegen anders vor: Gefragt wurde hier nach den Haltungen zu gesellschaftlicher Vielfalt, weil antipluralistische Einstellungen neben anderen Merkmalen kennzeichnend für den (Rechts-)Populismus sind. Der Survey erlaubt einen differenzierten Blick auf das Segment der Bürgerinnen und Bürgern, die sich mehr als andere mit der wachsenden kulturellen und religiösen Diversität in unserer Gesellschaft schwertun. Dabei stellte sich heraus: Das Spektrum der “Antipluralisten” ist ziemlich disparat. Hier finden sich nicht nur solche, die sich als sozial abgehängt erleben, sondern auch Etablierte, die ein konservatives Weltbild vertreten und glauben, etwas zu verlieren zu haben. Fazit: Ein genauer Blick und differenzierte Strategien sind erforderlich, um der aktuellen populistischen Herausforderung glaubwürdig etwas entgegenzusetzen und für Akzeptanz gesellschaftlicher Vielfalt zu werben.

Die Studie “Unbehagen an der Vielfalt” zum Download hier.

Muslime: Integriert, aber nicht akzeptiert

Muslimische Einwanderer sind in Deutschland und anderen europäischen Ländern angekommen. Das zeigt eine aktuelle Studie zum Religionsmonitor 2017 der Bertelsmann Stiftung, die ich redaktionell betreut habe. Auf verschiedenen Feldern der Sozialintegration – Sprachkompetenz, Bildung, Teilhabe am Arbeitsleben und und interreligiöse Kontakte – finden sich über die Generationen hinweg immer weniger Unterschiede zur einheimischen Bevölkerung, trotz schwierigerer Ausgangsbedingungen der Zuwanderer. In Deutschland verläuft die Integration in den Arbeitsmarkt besonders erfolgreich, während das hiesige, früh separierende Schulsystem einer zügigen Bildungsintegration eher im Wege steht.
Bei der positiven Integrationsbilanz außen vor bleiben die frommen Muslime: Sie finden bei gleicher Qualifikation schwerer einen Job. Auch verdienen sie erheblich weniger als Muslime, die ihre Religion nicht ausüben. Anders übrigens als in Großbritannien, wo die institutionelle Gleichberechtigung des Islam deutlich weiter ist und sichtbar gelebte Religion im Arbeitsleben kein Tabu. So dürfen britische Polizistinnen schon seit zehn Jahren im Dienst ein Kopftuch tragen.

Gelingende Integration ist also kein individuelles Programm, sondern, das zeigt die Studie, sie hängt entscheidend von staatlichen, wirtschaftlichen und von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Insofern ist die fehlende Akzeptanz von Muslimen ein echtes Integrationshindernis in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft: 19 Prozent der im Religionsmonitor befragten Bürger in Deutschland geben an, keine Muslime als Nachbarn haben zu wollen.

Was bleibt zu tun? Um Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, nennt der Religionsmonitor drei zentrale Hebel: Erstens die Chancen auf Teilhabe zu verbessern, insbesondere im Bildungssystem. Zweitens die institutionelle Gleichstellung der islamischen Religionsgemeinschaften mit den christlichen Konfessionen und dem Judentum gleichzustellen und somit religiöse Vielfalt anzuerkennen. Das heißt beispielsweise, dass muslimischer Religionsunterricht an Schulen, Regelungen zum Bau von Moscheen und zu islamischen Bestattungen die praktische Ausübung der Religion erleichtern würden. Und drittens interkulturelle Kontakte und interreligiösen Austausch in Schule, Nachbarschaft und Medien zu fördern.

Mehr Informationen und die Studie zum Download hier.

Besuch bei Luthers

Ein Schaufenster in der Wittenberger Altstadt.

Viele Wege führen in diesem Jahr nach Wittenberg und an einem verregneten Julitag waren auch wir dort. Die Kleinstadt an der Elbe kam einst groß raus durch den hier residierenden Kurfürsten Friedrich den Weisen. Der fromme sächsische Herrscher, der über eine riesige Reliquiensammlung verfügte (mehr als 19.000 Objekte mit einem Gegenwert von rund 2 Millionen Jahren Ablass, wie auf Wikipedia zu erfahren ist), war zugleich durchaus reformfreudig und aus machtpolitischen Gründen kaiser- und papstkritisch. So holte er sich einige innovative Köpfe an den Hof. Neben der berühmten Malerfamilie Cranach zählte dazu der aufmüpfige Mönch Martin Luther, von dem überliefert wird, er habe seine 95 Thesen gegen den Ablass an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt (was so historisch nicht belegbar ist). Jedenfalls gibt es heutzutage an der Schlosskirche eine Tür, in die die Thesen eingeprägt sind. Als Touristin läuft man schnell vorbei, denn dieses Tor ist nicht der Eingang, den findet man nach ein bisschen Suchen auf dem Innenhof.

Vermutlich geht es nicht wenigen auswärtigen Lutherreisenden ähnlich. Sie spazieren durch die idyllische Altstadt von Wittenberg – die tatsächlich, so sagt es eine städtische Tourismusverantwortliche, seit der Wende autofrei ist – und müssen erst einmal sortieren, was hier alles Luther ist und wie man hinkommt. Was uns her lockte, war die Ankündigung einer Kunst- und einer Weltausstellung. Das klingt großartig und wenn es nicht so entsetzlich geregnet hätte, wären wir sicherlich ausgiebig durch den wunderbaren Grüngürtel flaniert, um durch die sieben “Torräume” zu gehen und bei den verstreuten Pavillons, Zelten und Installationen von Kirchen und kirchlichen Organisationen vorbeizuschauen. Vielleicht wären wir auch auf den 27 Meter hohen Bibel-Turm geklettert, der ansonsten für vom Bahnhof Ankommende wie ein übergroßes Werbeplakat der neuen Lutherbibel wirkt. So aber haben wir nur die Schweizer im Grüngürtel besucht, die ein amüsantes Alphabet der Schweizer Reformation ausgehängt und den hinteren Teil ihres Messezeltes sehr schön zum Grün hin geöffnet haben. Zudem gerieten wir auf der Regenflucht in einen einsamen Pavillon, in dem verschiedene Videos liefen, die, so mutmaßten wir, im nördlichen Skandinavien spielten und in einem Regenwald der südlichen Hemisphäre. Außerdem haben wir am Vorabend (ein Dienstag, Achtung, da ist die Weltausstellung zu) die Lichtkirche der EKHN gesucht und gefunden, die eindrücklich in verschiedenen Farben leuchtet (bitte von der Altstadt kommend nicht direkt dem Lichte nach gehen, man gerät sonst in Versuchung, über das beschrankte Polizeigelände zu laufen).

Am Morgen, nach ausgiebigem Frühstück im Hotel Luther, besuchten wir aber zunächst das Cranach-Haus am Marktplatz. Mit unseren Weltausstellungstickets spazierten wir einfach rein (es war kein Pförtner da) und erfuhren erst später, dass wir extra hätten bezahlen müssen. Anderen ahnungslosen Touristen ging es ähnlich, hörten wir in Gesprächen, sie wollten auf den Spuren Luthers wandeln, aber all diese Orte – wie das Lutherhaus und das Melanchthonhaus – sind nicht Teil des kirchlichen Ausstellungsprojekt zum Reformationsjubiläum. Wir sind trotzdem hinein auch ins Lutherhaus und haben bei der Gelegenheit die benachbarte Nationale Sonderausstellung “Luther! 95 Schätze – 95 Menschen” besucht. Von der hatten wir bislang kaum etwas gelesen und uns unter dem Titel auch wenig vorstellen können. Umso beeindruckter waren wir, was hier zusammengetragen wurde an Originaldokumenten und Kunstwerken rund um Luther und die Glaubenswelt, der er entstammt. Die 95 Köpfe, von Karl May bis Friedrich Engels, die sich allesamt positiv aufnehmend wie abgrenzend auf Luther beziehen, sind auch etwas Betrachtungs- und Lesezeit wert – leider hatten wir die gar nicht eingeplant.

Stattdessen haben wir uns ausgiebig im Alten Gefängnis die Kunstausstellung “Luther und die Avantgarde” angesehen. 70 international namhafte Künstler haben sich dort Gedanken gemacht, was Luther ihnen heute noch bedeutet. Nicht alle, das wird beim Gang entlang der Gefängniszellen spürbar, haben viel mit dem Thema am Hut. Sie landen dann schnell bei sich selbst, wie etwa Ai Weiwei, der einen Betonblock in die Zelle stellt, der, aufgeschnitten, die Körperformen eines Eingeschlossenen sichtbar macht. Stephan Balkenhol hat nur einen nackten Mann auf einen Sockel gestellt, aus Holz grob gehauen, aber doch mit feinem Sinn für Proportionen und körperliche Details. Davor bleibt man stehen und schaut ihn und sich an. Thomas Huber beschäftigt sich wie andere Künstler mit der Frage nach dem Bild, seiner Angemessenheit und Rechtfertigung. Das verbindet Kunst und religiösen Glauben und wird von Huber auf intelligente wie andachtsvolle Weise gelöst: In seiner Zelle werden abgehängte Bilder zu Leerstellen, die ebenso leuchten wie das Licht, das durch das vergitterte Fenster auf den Boden fällt.

Verharrt haben wir auch bei dem Roboter des Künstlerkollektivs robotlab, der die Zeit der Ausstellung nutzt, um die gesamte Bibel mit einem übergroßen Füllfederhalter Zeile für Zeile in perfekter Schrift aufzuschreiben. Das tut er in einer meditativen Ruhe, die mit Sicherheit auch die im Mittelalter schreibenden Mönche benötigten – die aber heute wohl nur noch Maschinen aufbringen. Wir jedenfalls waren in Hetze und wollten vor der Zugabfahrt noch das riesige Luther-Panorama von Yadegar Asisi sehen, das tatsächlich einigen Schauwert hat.

Fazit: Ein Tag reicht kaum für das Ausstellungsprogramm, das Kirche und Museen zum Reformationsjubiläum aufgefahren haben. Wir hätten uns gewünscht, die verschiedenen Akteure hätten sich etwas mehr abgesprochen und für die lutherinteressierten Gäste ein übersichtliches, inhaltlich attraktives Paket mit geeignetem Ticket für alle Orte geschnürt. Denn Wittenberg ist durchaus eine zweitägige Reise wert. Die Stadtkirche St. Marien mit dem Cranach-Altar sowie die verschiedenen Antiquariate und Trödelläden auf der langen Schloss- und Collegienstraße haben wir zum Beispiel gar nicht mehr geschafft. Der Vietnamese am Markplatz ist mit seinem reichhaltigen Büffet für eine Mittagspause sehr zu empfehlen.

Ein neuer Buchstabe!

Seit 1996 gilt die neue Rechtschreibung, nun ist das amtliche Regelwerk zum zweiten Mal angepasst und dabei “behutsam modernisiert” worden, wie der zuständige Rat für deutsche Rechtschreibung mitteilt. Spektakulärste Neuerung ist die Einführung eines großen ß (was diese Mac-Tastatur leider nicht umsetzen kann). Der neue Buchstabe sieht aus wie ein großes B, das wie das kleine ß nach unten hin nicht richtig verschlossen ist.

Freuen können sich darüber Kommunen, die ihre Straßenschilder in Versalien halten, aber auch Menschen mit einem ß im Nachnamen. Sie mussten bislang in Ausweisdokumenten – die ebenfalls nur Großbuchstaben nutzen – mit einem doppelten S vorlieb nehmen. In Web- und auch Mailadressen müssen sie das allerdings weiterhin tun. Traditionslose unter den Sprachexperten hatten deswegen schon mal vorgeschlagen, auf den sonderbaren Buchstaben ganz zu verzichten – immerhin machen das die Schweizer und Liechtensteiner auch und können sich problemlos verständigen.

Der Rechtschreibrat geht mit dem neuen Großbuchstaben den entgegengesetzten Weg und erweist sich auch bei anderen Neuerungen als konservativ: Eingedeutschte Schreibvarianten wie “Majonäse“, „Wandalismus“ oder „Ketschup“ entfallen vollständig und gelten künftig als falsch, da sie – hier orientiert sich der Rat an der Schreibpraxis – ohnehin kaum benutzt wurden. Dafür gelten künftig bestimmte Bindestrichschreibweisen als korrekt, wie etwa Ex-Kanzler oder Co-Trainerin.

Eine vollständige Übersicht aller neuen Schreibungweisen und neuen Regeln findet sich hier.

Seit 2004 ist der Rat für deutsche Rechtschreibung die maßgebende Instanz in Sachen Orthografie. Dem zwischenstaatliche Gremium gehören 41 Mitglieder aus sieben Ländern und Regionen an. Aus Deutschland stammen 18 Vertreter.

Workshop: Gute Gründe für große Spenden

Menschen engagieren sich dann mit hohen Spendenbeträgen, wenn sie überzeugt sind, dass sie damit Großes bewirken können. Gefragt sind also gute Argumente, mit denen sich potenzielle (Groß-)Spender identifizieren können. Systematisch entwickelt werden sie in einem Case for Support (Fundraising-Zielbild). Ich freue mich, dass ich an der Seite von Marita Haibach als Referentin in einem Praxis-Workshop des Major Giving Institute im Einsatz bin, der sich genau dieses Themas annimmt: Mittwoch, 31. Mai, 10 bis 17 Uhr in Frankfurt am Main. Mehr Details hier.

CSR-Berichtspflicht in Gesetz gegossen

Größere Unternehmen müssen ab dem Geschäftsjahr 2017 über ihre Bemühungen unter anderem in Sachen Umweltschutz, Arbeitnehmerbelange und Achtung der Menschenrechte Rechenschaft ablegen. Ein entsprechendes Gesetz hat der deutsche Bundestag am 9. März 2017 verabschiedet. Vorausgegangen war ein langer Diskussionsprozess auf EU-Ebene, der in eine europäische Richtlinie zur CSR-Berichtspflicht mündete. Diese gilt bereits seit Herbst 2014 und sollte bis Ende 2016 in nationales Recht gegossen werden. Neben Deutschland waren und und sind noch andere Länder säumig (der aktuelle Stand der Umsetzung findet sich hier).

Das neue Gesetz betrifft alle kapitalmarktorientierten Unternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen und deren Bilanzsumme entweder mehr als 20 Millionen Euro beträgt oder deren Umsatzerlöse sich auf mehr als 40 Millionen Euro belaufen. Allerdings werden auch kleinere Unternehmen die Folgen der Berichtspflicht spüren, da auch Informationen über die Lieferkette gefordert sind.

Unternehmen, die bereits jetzt Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte nach Maßgabe der Global Reporting Initiative (GRI) oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) veröffentlichen, kommen damit nach allgemeiner Expertenmeinung voraussichtlich der neuen gesetzlichen Pflicht nach. Der Deutsche Nachhaltigkeitsrat will auf Basis des jetzt finalen Gesetzestextes noch ein juristisches Gutachten zur Anwendbarkeit des DNK einholen.

Nachtrag: Inzwischen wurde der Deutsche Nachhaltigkeitskodex auf das neue Gesetz hin konkretisiert. Außerdem hat die Europäische Kommission Leitlinien zur nichtfinanziellen Berichterstattung veröffentlicht, in denen sie sich an etablierten Rahmenwerken und Berichtsstandards orientiert. Dazu zählen neben dem DNK auch die Global Reporting Initiative und der Global Compact der UN.

Animals’ Angels Jahresbericht 2016 erschienen

Mit neuem frischen Layout und Inhaltskonzept ist der Jahresbericht von Animals’ Angels erschienen. Die Tierschutzorganisation, deren besonderes Augenmerk den sogenannten “Nutztieren” und internationalen Tiertransporten gilt, hat dafür erstmalig mit ute vogt kommunikationsdesign und mir als Redakteurin zusammengearbeitet. Hier gehts zum Jahresbericht.

Was hält die Gesellschaft zusammen?

Klagen über zu wenig ebenso wie Plädoyers für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt gehören zum Standardrepertoire öffentlicher Reden. Bei genauem Hinsehen liegt aber weder auf der Hand, was die soziale Kohäsion gefährdet noch wie unter den Rahmenbedingungen der globalisierten Welt Zusammenhalt gewahrt werden kann. Grenzen zu, Fremde raus, diese vermeintlich einfache populistische Programm verspricht jedenfalls keinen Frieden und zerschlägt Vertrauen, wo es darum gehen müsste, Brücken zu bauen.
Die Bertelsmann Stiftung hat jetzt einen Sammelband vorgelegt, der die Frage nach dem Zusammenhalt mithilfe empirischer Daten genauer in den Blick nimmt. Dabei legt die Stiftung ein mehrdimensionales Modell zugrunde, in dem Faktoren wie zwischenmenschliches Vertrauen, soziale Netzwerke, die Identifikation mit dem Gemeinwesen, Vertrauen in Institutionen, Solidarität und soziale Teilhabe eine Rolle spielen. Auf diese Weise stehen Indikatoren für die Qualität des sozialen Miteinanders zur Verfügung, die präzisere Aussagen zu möglichen Trends erlauben und konkrete Handlungsfelder für Politik und Gesellschaft aufzeigen.

Ein wichtiges Buch zur Versachlichung der Debatte, an dem ich redaktionell mitarbeiten durfte und dabei selbst viel gelernt habe.

–> Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Der Kitt der Gesellschaft. Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Gütersloh 2016.